Was bewegt einen Einbrecher, sich für ein bestimmtes Haus zu entscheiden? Eine wissenschaftliche Studie, die inhaftierte Einbrecher in einer virtuellen Realität befragte, gibt überraschende Einblicke in ihre Denkweise. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Merkmale in der Umgebung die Wahrnehmung von Risiken und potenziellen Belohnungen stark beeinflussen.
Wissenschaftliche Studie mit 160 inhaftierten Einbrechern
In der Literatur zur Entscheidungsfindung von Kriminellen wird oft betont, dass die Wahrnehmung der Umgebung das Handeln massgeblich beeinflusst. Dennoch sind die Mechanismen, die aussere Merkmale mit dieser Wahrnehmung verknüpfen, kaum erforscht. Die bisherigen Studien basierten oft auf korrelativen Methoden oder waren in ihrer Anwendbarkeit begrenzt.
Um diese Forschungslücke zu schliessen, hat eine neue Studie die Möglichkeiten der virtuellen Realität genutzt. 160 inhaftierte Einbrecher mit unterschiedlichem Erfahrungsgrad erkundeten eine virtuelle Nachbarschaft, in der sich die Häuser in Bezug auf die wahrgenommenen Risiken und potenziellen Belohnungen eines Einbruchs unterschieden.
Die Ergebnisse bestätigen die anfänglichen Hypothesen: Täter passen ihre Wahrnehmung der Umgebung tatsächlich an. Interessanterweise spielt dabei auch die Erfahrung eine Rolle – professionellere Einbrecher schätzen ihr Risiko, gesehen oder erwischt zu werden, als geringer ein und sind daher eher bereit, in ein Haus einzubrechen. Die statistischen Ergebnisse wurden zusätzlich durch qualitative Interviews untermauert.
Wichtigste Erkenntnisse der Studie:
- Sträucher und Hecken: Häuser mit Sträuchern wurden als weniger riskant wahrgenommen, da die Täter glaubten, dass die Wahrscheinlichkeit, gesehen oder gefasst zu werden, geringer ist. Diese Häuser galten auch als attraktiver für einen Einbruch.
- Zur Schau gestellter Reichtum: Ein Fernseher-Karton im Müll signalisierte ein hohes Belohnungspotenzial, da die Täter davon ausgingen, dass sich in dem Haus andere wertvolle Gegenstände befinden. Dies erhöhte die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs.
- Geparktes Auto: Ein geparktes Auto in der Einfahrt erhöhte die Wahrnehmung, dass jemand zu Hause ist, was mit der Einschätzung eines höheren Risiko verbunden war, erwischt oder verletzt zu werden. Dies hatte jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs!
Die ganze Studie können Sie hier nachlesen: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1745-9125.12401
Wie gehen Einbrecherinnen und Einbrecher vor?
Im Allgemeinen denkt man bei einem Einbrecher an eine Person, die nachts in ein Haus einbricht und dabei eine schwarze Maske trägt. Dies hat wenig mit der Realität zu tun. Einbrecher sind meist nicht leicht zu erkennen und sie verwenden auch keine spezielle Ausrüstung. Das Ziel ist es, möglichst schnell und unbemerkt in ein Gebäude einzudringen und wieder zu verschwinden. Aus diesem Grund ist es wichtig, die gängigen Verhaltensweisen von Einbrechern zu kennen, um sich besser vor ihnen schützen zu können.
- Einbrecher kommen meist dann, wenn niemand da ist: Einbrecher dringen meist tagsüber in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, wenn die Bewohner arbeiten und unterwegs sind. In Geschäftsräume, Büro, Lagerhallen und Co. finden Einbrüche hingegen meist nachts statt, wenn sich niemand mehr darin oder auf dem Gelände aufhält.
- Einbrecher scheuen den Kontakt mit Bewohnern und Nachbarn: Wenn Einbrecher bei ihrer Tat hören oder sehen, dass noch jemand die Wohnung oder das Haus betritt, ergreifen sie meist sofort die Flucht.
- Sie suchen den leichten Weg: Da viele Menschen ihre Wohnung und Geschäftsräume nicht genügend sichern, steigen Einbrecher zum Beispiel durch gekippte Kellerfenster oder Terrassentüren ein. Einbrecher wollen unbemerkt und so rasch wie möglich beim Einbruch ans Werk gehen. Bietet sich zu grosser Widerstand, das heisst wenn Fenster und Türen gut gesichert sind, brechen Sie in der Regel schon bald ab.
- Einbrecher verwenden "normale" Alltagswerkzeuge: Einbrecher benützen meist einfache Werkzeuge wie Schraubenzieher, einen Schraubendreher oder ein Brecheisen, das in jede Jackentasche passt.
- Sie sind Frauen und Männer, von jung bis alt: Einbrecher sind nicht immer Männer in schwarz. Auch Frauen, Jugendliche und sogar Kinder brechen in Hause ein und um nicht aufzufallen ziehen sie sich unauffällig an.
Was kann ich tun, um mich vor einem Einbruch zu schützen?
Von der Schweizerischen Kriminalprävention gibt es Empfehlungen, wie man Einbrüche am effektivsten verhindert. Wenn Einbrecher eine leichte Beute wittern, schlagen sie oft zu. Sie suchen nach ungesicherten Türen und Fenstern oder Anzeichen dafür, dass niemand zu Hause ist. Mit ein paar einfachen Vorsichtsmassnahmen können Sie jedoch Ihr Zuhause vor Einbrechern schützen und ihnen das Leben schwer machen. Oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen.
- Verriegeln Sie Türen immer mit einem Schlüssel, auch wenn Sie nur kurz weg sind. Achten Sie darauf, Fenster, Balkon- und Terrassentüren vollständig zu schliessen, denn gekippte Fenster sind für Einbrecher leicht zu öffnen.
- Eine gute Nachbarschaft ist ebenfalls ein wirksamer Schutz. Informieren Sie Ihre Nachbarn, wenn Sie verreisen, damit sie bei verdächtigen Geräuschen oder Licht aktiv werden können. Ein überquellender Briefkasten ist ein klares Zeichen für Ihre Abwesenheit, daher sollte sich jemand um Ihre Post kümmern.
- Täuschen Sie Ihre Anwesenheit vor, indem Sie Zeitschaltuhren verwenden, die das Licht unregelmässig an- und ausschalten. Das gilt besonders in den Wintermonaten, wenn es früher dunkel wird.
- Für umfassendere Sicherheitsvorkehrungen können Sie sich von Sicherheitsexperten beraten lassen. Sie können Schwachstellen in Ihrem Zuhause erkennen und Empfehlungen für mechanische oder elektronische Sicherungen wie Alarmanlagen geben.




